5 Minuten am Tag III

Juli 3, 2010

Das „5-Minuten-Es“ kann einem auch zufließen!

In Form von Schweiß, der an einem herunter rinnt und Erinnerungen hervorbringt, an lang vergangene Zeiten…

In den 1960ger Jahren wohnten wir schon in Bremen, in einem kleinen Häuschen mit Garten.

Meine Mutter, meine Urgroßmutter, mein Bruder, Omas Katze Ritzkin, eine Musiktruhe mit Plattenspieler und ich.

Um die Truhe herum spielten sich die vielen kleinen und großen Dinge unseres Lebens ab. Sie gab uns Worte und Töne und Ausdruck für die unterschiedlichen Empfindungen, die uns das Leben zuspielte, und eine Richtung, wie das alles jeweils zu betrachten sei… fröhlich, traurig, dramatisch, verliebt, entliebt, unbegreiflich, wie z.B. das Lied: Schau mich bitte nicht so an, Du weißt es doch ich kann, ich kann nie wieder stehn….das in mir verzweifelte Mitleidsanfälle auslöste und die ewige Frage entbrennen ließ, warum Menschen immer so glotzen müssen, wenn jemand gelähmt ist…

Ich glaube, die Truhe stammte von Papa, der getrennt von uns lebte und durch sie immer gegenwärtiger Mittelpunkt unseres Lebens blieb.

Das Abspielen organisierte Mutti, die bei vielen Gelegenheiten, besonders gern beim Staubsaugen, voller Inbrunst die Lieder selbst zum Besten gab.

Es war ein außerordentlich heißer Sommer und Mutti legte Conny Froboess auf.

Pack die Badehose ein!

Ich dachte darüber nach, was ein Wannsee sein könnte und schlussfolgerte nach langem Überlegen, es müsste quasi unsere übergelaufene Badewanne sein, die wir alle so liebten, deren Geheimnis sich in diesem Lied offenbarte: eigentlich war sie die Mutter eines Sees, dessen Geburt wir auf Anordnung unserer Mutter keinesfalls vorzeitig einleiten durften, weil Frühgeburten gefährlich sind und Vermieter zum Äußersten treiben könnten, was schlimmstenfalls den Rauswurf aus unserem geliebten Häuschen bedeuten würde.

Wäre er dann endlich da, der Wannsee, würden wir nur noch in eleganter Badekleidung baden, und mein älterer Bruder, der ansonsten alles dafür tat mich irgendwie loszuwerden, müsste mich mitnehmen!!! Was für ein Fest!

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